|
Das Dorf Petrades liegt im Department Evrou im Nordosten Griechenlands. Es ist das östlichste Dorf auf dem griechischen Festland und war vor der Aufnahme Rumäniens und Bulgariens in die EU im Jahr 2006 sogar der östlichste Punkt der Europäischen Union. Petrades liegt am Fluss Evros, dem zweitgrößten Fluss des Balkans. Das Dorf ist an einem Hang gelegen, so dass keine Hochwassergefahr besteht. Die charakteristische Bodenbeschaffenheit ist eine Kombination von Stein und Grün.
Petrades ist mit einer Zugbrücke über den Fluss mit der benachbarten Türkei verbunden. Die Straße führt direkt nach Constantinople. In der Geschichte erlangte die Brücke Berühmtheit, da der Orient-Express sie regelmäßig auf ihrem Weg in dem Osten nutzte.(oben)
Historische Angaben
Das Dorf Petrades ist eines der ältesten im Gebiet. Die Bevölkerung besteht aus Einheimischen. Dies stellt eine Seltenheit dar, da die Dörfer der näheren Umgebung hauptsächlich aus Flüchtlingen bestehen und erst nach dem griechisch-türkischen Bevölkerungs-Tausch im Jahre 1922 erbaut wurden. Laut der vorherrschenden Meinung wurde das Dorf von Steinmetzen gegründet, die aus Hepeiros abstammten. Zur Zeit der Türkenherrschaft zogen sie durch ganz Griechenland, um ihre Dienste und ihr Wissen über die Steinausgrabung und -bearbeitung anzubieten. Der Name Petrades selbst zeugt auch heute noch über den Ursprung des Dorfes (Steinmetze). Laut Chroniken, historischen Archiven und Berichten älterer, erscheint es als sehr wahrscheinlich, dass sich die ersten Einwohner bereits am Anfang des 19. Jahrhunderts im Dorf niedergesetzt haben. Ihre Hauptbeschäftigung war die Ausgrabung, die Bearbeitung und der Handel mit dem Stein, der in reicher Fülle im Gebiet vorkam und noch vor 1940 als wichtigstes Bauelement verwendet wurde. Der Handel mit dem Stein brachte dem Dorf Wohlstand und unterschied es von den ärmeren, landwirtschaftlich orientierten Dörfern der näheren Umgebung.(oben)
Ausgewanderte Griechen
Der Zweite Weltkrieg und der darauf folgende Bürgerkrieg zerstörten Griechenland fast vollkommen. Dem Dorf Petrades erging es da nicht anders. Durch die geringe bestellbare Fläche und dem Stein, der inzwischen nicht mehr als Bauelement gefragt war, sah sich die Jugend des Dorfes zur Auswanderung genötigt. Zu dieser Zeit herrschte in Mitteleuropa der industrielle Aufschwung. Die Bürger aus Petrades suchten in den 50er und 60er Jahren im Kohlenwerk Belgiens und später in Deutschlands Fabriken neue Perspektiven. Heute lebt der größte Teil der Petrades-Einwohner in verschiedenen Städten Deutschlands. Am meisten vertreten in Stuttgart. Auch in Belgien, Holland und Frankreich sind viele anzutreffen. Eine ausführlichere Erwähnung der Petrades-Einwohner ist daher lohnenswert, da sie den dynamischsten Teil der Ausgewanderten bilden. 1984 gründeten sie den Verein für Petrades-Einwohner im Ausland. Sie engagieren sich maßgeblich an der Unterstützung der Bindungen zwischen den Ausgewanderten mit dem Dorf aber auch, um der Stimme aus Petrades bei den Vereinstreffen in Deutschland Gehör zu schaffen.(oben)
Veranstaltung
Am 15. und 16. August jeden Jahres wird im Dorf ein Fest mit Live-Musik veranstaltet. Für reichliches Essen und Trinken ist natürlich gesorgt. Zudem nehmen viele traditionelle Folklore-Tanzgruppen teil und der Andrang zu den Feierlichkeiten ist groß. Das Dorffest in Petrades gehört zu den populärsten in ganz Evros und bietet die optimale Gelegenheit das Treffen der Ausgewanderten mit ihren einheimischen Freunden zu ermöglichen. Es ist zudem ein Wahrzeichen der Kultur und des fortwährenden petradiotischen Erbes.(oben)
Distanz
Aus Athen 985 Km
Aus Thessaloniki 445 Km.(oben) |